Dienstag, 30. Juli 2019

Prophezeiungen für Jedermann - Nicole Gozdek



Worum geht es?
Der Fantasyroman Prophezeiungen für Jedermann von Nicole Gozdek handelt von einem jungen Mann namens Zacharias, der vom magischen Orakel auserwählt wird eine Prophezeiung zu erfüllen. Das ist allerdings nicht so außergewöhnlich, wie man auf den ersten Blick annehmen könnte, denn Zacharias lebt in einer Welt, in der Prophezeiungen tagtäglich ausgesprochen werden und es zur Bürgerpflicht gehört seiner magischen Queste nachzukommen. Doch die Erfüllung seiner Prophezeiung entpuppt sich schwieriger, als er am Anfang gedacht hat. Auf seinem Abenteuer lernt Zacharias den Magischen namens Iani kennen, der ihn auf seiner Queste begleitet und Zacharias dabei eine ganz neue Sicht auf die Welt offenbart.

Und das halte ich vom Buch…
Der Einstieg in das Buch war für mich etwas holprig, da der Anfang zunächst verwirrend war und ich Zeit gebraucht habe um mich in Zacharias Welt zurechtzufinden. Jedoch hat der sehr flüssige und leichte Erzählstil das wiedergutmachen können. Sobald ich mich mit der Welt vertraut gemacht habe, hat mich die Geschichte direkt in seinen Bann geschlagen. Zacharias lebt in einer Welt, in der Magie nicht für etwas Unmögliches gehalten wird. Allerdings sehen die Menschen die Magie für etwas Gefährliches an. Die Magischen dagegen, die die Magie praktizieren können, haben eine andere Sichtweise auf die Welt und sind der Magie und der Natur viel enger verbunden. Hervorragend versteht es die Autorin, eine Zweiklassengesellschaft zu kreieren, und aktuelle politische Themen wie Diskriminierung, Umweltbewusstsein und Plastikverschmutzung in portionierter Weise mit in die Erzählung zu integrieren. Und somit indirekt auch Gesellschaftskritik zu üben.
Auch die Charakterentwicklung der Figur Zacharias finde ich durchaus gelungen. Er ist eine sehr vielschichtige Figur, mit seinen eigenen Stärken und Schwächen – vor allem seine Insektenphobie macht ihn zu einem außergewöhnlichen Charakter. Die Entwicklung der Figur vom ängstlichen, unselbstständigen jungen Mann, der sich stets krampfhaft bemüht dem System sich unterzuordnen, zu einem selbstbewussten und zielstrebigen Erwachsenen, der seinen eigenen Weg gefunden hat, ist wirklich sehr gelungen. Zacharias ist kein typischer Held, der alles meistert, vielmehr wird er vom Schicksal immer wieder gefordert. Dabei gerät Zacharias oft auch an seine emotionalen Grenzen, wobei er teilweise mit körperlichen Schwächeanfällen bis zu Ohnmachtsanfällen reagiert. Obwohl das durchaus tragische und erschütternde Situationen für ihn sind, finde ich seine körperlichen Reaktionen in diesem Ausprägungsgrad doch etwas übertrieben. Ebenso waren seine häufigen emotionalen Ausbrüche und auch Anschuldigungen Iani gegenüber für mich nicht immer nachvollziehbar.
Die Spannung wird in der Handlung durchgehend aufrechterhalten, sodass die Erzählung es schafft den Leser durchgehend zu fesseln. Jedoch zieht das Erzähltempo zum Schluss nochmals an, woraufhin das überraschende Ende dann etwas zu abrupt ausfüllt. Am Ende bleibt der Leser vor einigen offenen Fragen stehen, die das Buch ihm zum Rätseln überlässt.

Fazit: Insgesamt ist dieser Roman sehr gelungen und aufgrund des Themas der Selbstfindung besonders für jugendliche Leser sehr zu empfehlen. Aber auch ältere Leser werden diesem Roman viel Positives abgewinnen können.


4 von 5 Sterne


      Quelle: Piper Verlag


Montag, 8. Juli 2019

Wiedersehen im nächsten Leben - Ute Schelhorn

Worum geht es…?
Das Buch „Wiedersehen im nächsten Leben“ von Ute Schelhorn handelt von Sofia, einer durchaus rationalen und mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehenden Polizistin. Als sie eines Tages auf den berühmten Maler David Sander trifft, wird ihr gesamtes Leben auf den Kopf gestellt. Dieses vertraute Gefühl, dass sie sich bereits kennen, lässt sie nicht los. Dabei hat sie David in ihrem Lesen noch nie gesehen. Doch auch er scheint eine besondere Bindung zu Sofia zu spüren. Als David dann auch noch als Tatverdächtiger bei einem Museumsraub ins Visier gerät, verflechten sich Sofias und Davids Schicksale noch mehr ineinander. Dabei lernt Sofia, dass es im Leben deutlich mehr gibt, als man es auf dem ersten Blick erahnt und dass Freundschaft und Liebe oft länger hält als nur ein Menschenleben.


Und das sind meine Eindrücke…
Das Cover finde ich insgesamt schön und thematisch durchaus passend, da es Elemente aus der Geschichte wiederspiegelt. Die Wahl der Farbe passt auch gut zu der Geschichte, auch wenn es etwas mehr Farbvarianz vertragen hätte.
Inhaltlich ist das Buch aufgebaut in zwei Hauptgeschichten. Die Rahmengeschichte bildet die Story von David und Sofia. Diese umgibt eine Kerngeschichte – die Erzählung von Hans und Greta. Die Ereignisse der Letztgenannten spielen im Jahre 1944, und diese Kerngeschichte finde ist sehr gelungen. Die Beschreibung ihrer Erlebnisse in der Kriegszeit sind durchaus authentisch und dem Leser werden tiefe Einblicke in die Gefühlswelt der Figuren gewährt. Dagegen war die Rahmengeschichte mit Sofia und David im Vergleich zur Kerngeschichte erzähltechnisch weniger stark. Hier schritt mir die Handlung oft zu schnell voran und an vielen Stellen verfiel der Erzähler in einen Erzählbericht, sodass viele Informationen dem Leser vorgelegt wurden, ohne an diesen Stellen mehr mit dem Spannungsbogen zu spielen. Hier hätte ich mir an einigen entscheidenden Szenen weniger Tempo, dafür mehr erzählerischen, detaillierten Tiefgang gewünscht, um vor allen Dingen mehr Emotionen und Atmosphäre in den Liebesszenen zu erzeugen. So war für mich die Liebesgeschichte von David und Sofia wenig überzeugend und leider mit etwas zu vielen klischeehaften Beschreibungen gespickt.
Dagegen finde ich die konträr angelegten Figuren von Sofia und Anna hervorragend arrangiert. Sofia, die bodenständige und rational handelnde Polizistin, und dagegen Anna, die offene und gutherzige Energetikerin. Obwohl beide Figuren so unterschiedlich sind, verbindet sie eine tiefe und warme Freundschaft. Auch die eingestreuten Hintergrundgeschichten zu einzelnen Hauptfiguren waren sehr aufschlussreich, und haben dem Leser einen tiefen Einblick in die Figuren gegeben und diese dadurch lebendiger und auch sympathischer gemacht.
Thematisch beschäftigt sich diese Geschichte mit dem Gedanken, dass Ereignisse im Leben sich manchmal nicht nur rational erklären lassen, sondern es auch Kräfte und Energien gibt, die über das menschliche Verständnis hinaus, ja über das Leben hinaus, wirken können. Diese esoterisch angehauchte Perspektive ist einerseits interessant, andererseits muss man sich als Leser darauf einlassen können. Zum Ende der Geschichte kann der Leser sich noch auf die eine oder andere Überraschung freuen und auch auf eine bereits in der Geschichte angedeutete Fortsetzung des Buches.

Fazit:
„Wiedersehen im nächsten Leben“ ist eine erfrischende Lektüre, die insgesamt eine spannende Handlung aufzeigt und mit seiner Kerngeschichte durchaus punkten kann, jedoch in der Rahmenhandlung und in der Beschreibung der Liebesgeschichte etwas schwächelt.


3 von 5 Sternen


 Quelle: Amazon
      Quelle: Amazon