Sonntag, 5. Juli 2020

Remoment - Daniel Tappeiner



Worum geht es?

Der Soldat Dominic Burg wird im Jahr 2053 für eine streng geheime und äußerst wichtige Mission ausgewählt. Mit Hilfe einer Apparatur soll er in der Zeit zurückreisen, um dort die Zeugung des Diktators Hong Sung, der später die Vernichtung der Menschheit herbeiführen wird, zu verhindern. Der Sprung in die Vergangenheit ins Jahr 1987 gelingt Dominic, allerdings ist sein Auftrag keineswegs einfach. Zudem trifft er dort auf Viola, einer aufgeschlossenen und lebensfrohen Kellnerin eines Imbisses. Beide spüren von Anfang an, dass sie ein tiefes Band miteinander verbindet. Doch gibt es eine Zukunft für beide, wenn die Erfüllung des Auftrages die Zeitlinie verändern und dazu führen wird, dass Dominic niemals in die Vergangenheit reist und dadurch Viola nie kennenlernt?


Meine Meinung zum Buch:

Remoment ist ein Roman, welches vielfältige Themen und Genre miteinander verbindet. Hier werden Elemente aus dem Sci-Fi Genre mit einer Liebesgeschichte kombiniert und auch Themen wie Verlust, Trauer und Schicksal werden dabei aufgegriffen. Insbesondere der Aspekt der Zeitreise hat mich bei diesem Buch sehr fasziniert. Doch obwohl die Zeitreise eine zentrale Bedeutung in diesem Roman hat, hätte dieses Thema etwas detaillierter ausgearbeitet werden können: So hätte ich gerne mehr über die technischen Möglichkeiten des Zeitreisens gelesen und gerne erfahren, wie sich eine solche Zeitreise für den Protagonisten angefühlt hat. 
Der Schreibstil dieses Romans ist sehr angenehm und lässt sich gut und flüssig lesen. Allerdings zeigt das Spannungsbarometer nicht konstant ein gutes Leistungsniveau an. An vielen Stellen wurde meiner Meinung nach versäumt den Spannungsbogen hochzuschrauben, sodass in einigen Szenen nicht das volle Potenzial ausgeschöpft wurde. Besonders die teilweise verwendete Berichtssprache führt dazu, dass potentiell spannende Szenen sich etwas fade anfühlen. Auch von der Handlungslogik scheinen manche Abschnitte nicht ganz rund zu sein. Mit den Hauptfiguren Dominic und Viola konnte ich leider zu Beginn des Romans nicht sonderlich warm werden. Dominic scheint mir als Soldat in vielen Situationen sehr unbedacht zu handeln und zu unsicher aufzutreten. Ebenfalls ist mir auch nicht klar geworden, warum gerade er für diese Mission ausgesucht worden ist. Beiden Figuren hätte eine vielfältigere und tiefere Charakterschichtigkeit nicht schaden können. Insbesondere Viola scheint als hübsche, liebreizende Blondine einen klischeehaften Frauentypus zu verkörpern. Die Lovestory der beiden konnte mich leider auch nicht von Anfang an packen, da diese zu schnell und zu vorhersehbar geschildert worden ist. 
Allerdings änderte sich dieses nach einer Wendung in der Handlung. Gerade der letzte Teil des Romanes hat deutlich das Potenzial der Geschichte offenbart. Auf berührende und ergreifende Weise konnte der Roman das Schicksal der beiden Liebenden zum Ende hin dann doch überzeugend erzählen und insbesondere das Ende mit viel Gefühl und Dramatik ausschmücken. Auch die Spannung nimmt zum Ende hin deutlich zu und so konnte mich Remoment letztendlich doch gut unterhalten und zum Schluss auf eine emotionale Fahrt mitnehmen.

Fazit: Eine Liebesgeschichte mit Sci-Fi- und Thrillerelementen, welche erst zum Ende hin seine emotionale Tiefe und Qualität entfalten kann. Daher gibt es für diesen Roman von mir gute 3 Sterne.


3 von 5 Sterne



Quelle: Hybrid Verlag

Sonntag, 21. Juni 2020

Der Insasse - Sebastian Fitzek



Worum geht es?

Till Berkhoff ist verzweifelt. Sein Sohn wurde vor einem Jahr entführt und niemand weiß, was mit ihm passiert ist – außer dem Täter selbst. Dieser sitzt jedoch im Hochsicherheitstrakt in der Psychiatrie und äußert sich in keiner Weise zu dem Geschehen. Um endlich Gewissheit zu erlangen, bleibt Till nichts anderes übrig als selbst zum Insassen der Psychiatrie zu werden.

 

Meine Meinung:

Der Psychothriller fängt stark an und entwickelt ein sehr hohes Erzähltempo. Fast ausschließlich jedes Kapitel endet mit einem Cliffhanger und man wird von einem Überraschungsmoment zum nächsten geworfen, sodass es fast unmöglich wird dieses Buch aus den Händen zu legen oder auch nur einmal durchzuatmen. Auch die eine oder andere Stelle wartet nur darauf den Leser zu schockieren und ihn sprachlos zurückzulassen. Die sprachliche Ausgestaltung ist gelungen und ebenso das atmosphärische Setting. Immer wieder werden dem Leser Fährten gelegt, die stets zu neuen Fragen führen, sodass man nicht umher kommt über den Fortgang der Handlung zu rätseln. Auch die Hauptfigur wird größtenteils nachvollziehbar gestaltet und lässt den Leser glaubhaft die Verzweiflung des Vaters spüren. Ebenso ist die Figur Tramnitz, der im Hochsicherheitstrakt untergebrachte Kindermörder, als eine durchaus interessante, wenn auch ziemlich perfide Figur angelegt. Dazu gefällt mir die Gestaltung des Covers des Buches recht gut. Diese ist sehr passend zum Thema der Psychiatrie und der rote Buchschnitt bildet dazu einen besonderen Blickfang.

Allerdings lässt sich mit dem Fortgang der Geschichte mindestens erahnen, auf welches Ende die Handlung zusteuert, sodass für mich die Auflösung nicht in jedem Punkt eine Überraschung war. Gleichzeitig kommen einige Begebenheiten zum Schluss etwas zufällig daher und manches lässt den Leser doch mit dem einen oder anderem Fragezeichen zurück. Von der Grundidee ist die Auflösung jedoch überaus interessant, von der Ausführung ist das Ende allerdings nicht mehr auf dem gleichen Niveau wie der Rest. So ist grade das Ende des Buches in Bezug auf  die Figur Tramnitz etwas blass ausgestaltet. Allerdings kann sich der Leser zum Schluss jedoch auf eine sehr kreative Danksagung des Autors freuen.

Fazit: Ein starker Psychothriller mit einem nicht ganz überzeugenden Ende, aber im allem lesenswert.  



4  von 5 Sterne




Sonntag, 17. Mai 2020

Kleine Iris. Die letzte Traumkarawane - David Grund



Worum geht es?

In einer stürmischen Nacht können Eljani, Veleni und ihr Freund Farma sich nur mit Müh und Not in der aufbrausenden See in ein Boot retten. Das Boot ist nicht leer, denn eine Frau und ein Mädchen befinden sich darin. Gemeinsam schaffen sie es sich auf die Heimatinsel der drei Kinder zu retten. So gelangt das kleine Mädchen Iris auf eine für sie fremde Insel und freundet sich schon bald mit Veleni, Eljani und Farma an. Bald merken die drei Freunde, dass Iris ein besonders Kind ist, denn sie hat nicht nur zwei unterschiedliche Augenfarben, sie besitzt auch noch einige besondere Fähigkeiten. Zumal ein Geheimnis sie zu umgeben scheint. Während Iris sich immer besser an ihre neue Umgebung gewöhnt, nähert sich etwas Düsteres dem Ort. In einer halsbrecherischen Aktion müssen die Kinder plötzlich fliehen und haben noch keine Ahnung, wohin der Weg sie führen wird.

Meine Meinung zum Buch:

Es ist nicht einfach dieses Buch in Worte zu fassen, denn es ist wie ein Chamäleon: es ändert seine Farbe, die Stimmung, sogar sein Genre. So lässt es sich für mich nicht direkt einem einzigen Genre zuordnen – eher würde ich das Buch als einen Roman mit Fantasyanteilen beschreiben.

Grob lässt sich das Buch in zwei Teile aufgliedern. Im ersten Abschnitt des Buches wird die Insel vorgestellt, Iris Ankunft und ihre Erlebnisse auf der Insel. Dabei sind immer wieder fast poetische Elemente eingestreut, die an Märchen und Legenden erinnern. Die Atmosphäre hat mir hier besonders gefallen, denn der Erzählstil ist ruhig und sehr angenehm zu lesen. Als hörte man an einem kalten Winterabend, in einer kuscheligen Decke eingewickelt, einem Märchenerzähler zu. Insbesondere die Emotionen sind authentisch dargestellt und viele Szenen sind sehr rührend und mit viel Feingefühl beschrieben, ohne dass es kitschig auf mich wirkte. Einige Szenen sind tiefgründig und beschäftigen sich mit Themen wie Ausgrenzung und Anderssein, aber auch mit Freundschaft, Fürsorge und Menschlichkeit. Hierbei gelingt es dem Autor sehr gut sich in die Figuren hineinzufühlen und sie lebensecht darzustellen. Insbesondere die kleine Iris scheint eine vielschichtige Persönlichkeit zu sein, denn das Mädchen entwickelt sich im Laufe des Buches, je besser man sie kennen lernt. Doch eine durchweg positive Figur ist Iris nicht, denn auch sie hat ihre Ecken und Kanten und scheint ganz anders zu sein als ihre Freunde. Insbesondere haftet etwas Mysteriöses ihr an, dass den Leser sehr neugierig stimmt. Ihre Person, ihre Entwicklung und vor allen Dingen ihr Geheimnis sorgen dafür, dass der Leser gespannt weiterliest.

Bis zur ersten Hälfte des Buches war mir allerdings mir nicht völlig klar, in welche Richtung mich die Geschichte tragen möchte und was die Intention und die Problematik der Geschichte im Konkreten ist. Bis zu Wende in der Handlung. Ab hier nimmt die Geschichte richtig Fahrt auf, der Spannungsbogen zieht an und die Atmosphäre ändert sich. Nun tendiert der „Roman“ eher zum Fantasygenre: unheimliche Kreaturen erscheinen, mysteriöse Ereignisse passieren und die Kinder müssen sich Gefahren entgegenstellen. Und wo man vorher eher geahnt hat, dass Iris ein Geheimnis mit sich trägt, wird es immer deutlicher, dass mit dem Mädchen ganz und gar etwas nicht stimmt. Gerade das letzte Drittel entwickelt sich zum richtigen Pageturner.

Allerdings muss ich hier einige Kritikpunkte einstreuen. Denn obwohl ich beide Teile des Buches für sich genommen überzeugend fand, haben sich diese beiden Teile für mich nicht gut zusammengefügt. Während der Anfang sich etwas gezogen hat, scheint der letzte Teil komprimiert worden zu sein. Der atmosphärische Wechsel vom tiefsinnigen Roman zum unheimlichen Fantasythriller war für mich etwas zu abrupt. Eine mehr ausgewogenere Handlung hätte mir besser gefallen. Auch konnte ich besonders im letzten Teil des Buches einige Stellen nicht ganz nachvollziehen und empfand vereinzelt Unstimmigkeiten. Das hat mich zudem zu einigen Fragen geführt, die im Buch nicht komplett aufgeklärt werden konnten. So ist mir immer noch nicht klar, was mit der ‚Traumkarawane‘ im Titel gemeint ist. Allerdings ist dieses Buch nur das erste Band der Geschichte um Iris, sodass ihre Reise hiermit noch nicht beendet ist.

Fazit: „Die kleine Iris – die letzte Traumkarawane“ ist ein vielschichtiges Buch, bietet Raum für Interpretationen und regt zum Nachdenken an. Gleichzeitig ist besonders das Ende spannend und mit vielen unheimlichen und mysteriösen Elementen gespickt. Wer etwas Besonderes für sich sucht, ist hier gut aufgehoben. Da ich dieses Buch aufgrund einiger Thematiken und Darstellungen nicht als Kinderbuch betrachte, würde ich es eher einem älteren Lesepublikum empfehlen.

Band 2: „Der Riss im Spiegel des Himmels“ – David Grund


3,5 von 5 Sterne



Quelle: BoD Verlag

Freitag, 17. Januar 2020

Das Institut - Stephen King




Worum geht es? 
Der 12-jährige hochbegabte Luke wacht plötzlich in einem Zimmer auf, das seinem eigenen Zimmer nahezu identisch ist – aber nur nahezu. In einer ruhigen Vorstadtsiedlung von Minneapolis wurden Lukes Eltern ermordet und Luke betäubt und entführt. Mit einigen anderen Kindern seines Alters wird Luke nun in einem Gebäudekomplex festgehalten, das als „das Institut“ bezeichnet wird. Bald stellt Luke fest, dass alle Kinder etwas gemeinsam haben: sie haben parakinetische oder telepathische Fähigkeiten, die sie mehr oder weniger bewusst kontrollieren könnten. Tests und Versuche werden mit den Kindern durchgeführt und die „guten Kumpels“ werden mit Münzen für braves Verhalten belohnt. Dann erfährt Luke, dass bereits andere Kinder in den sogenannten „Hinterbau“ verlegt worden sind, und dass diese Kinder nie mehr wiedergesehen wurden. Als Lukes liebgewonne Freunde nun auch in den Hinterbau verlegt werden, wird der verzweifelte Wunsch immer größer aus dem Institut zu fliehen und Hilfe zu holen. 

Meine Meinung: 
Eigentlich könnte man die Handlung des Mystery-Thrillers „Das Institut“ in einigen wenigen Sätzen zusammenfassen, dennoch ist das Buch mit seinen 768 Seiten ein ordentlicher Schinken geworden. All diese Seiten nutzt King, seine Geschichte zu entfalten, das Setting auszugestalten und den Figuren die nötige Charaktertiefe zu verleihen - und das finde ich großartig! King nimmt sich Zeit zum Erzählen und der Leser nimmt sich dadurch die Zeit in die Geschichte einzutauchen und Luke und seine Freunde ins Herz zu schließen. Wer bei diesem Buch auf einen schnellen Thriller hofft, bei dem auf jeder Seite dem Leser eine atemberaubende Wendung um die Ohren gehauen wird, wird hier womöglich enttäuscht sein. „Das Institut“ hat mich jedoch nicht enttäuscht, sondern mich vielmehr meisterhaft unterhalten, sodass ich dieses Buch wirklich genießen konnte. Trotz einiger Längen hatte ich niemals das Gefühl mich zu langweilen, im Gegenteil durchzog sich für mich ein konstanter Spannungsbogen, der zum Ende des Buches rasant zugenommen hat. Allerdings war das Ende für mich etwas unerwartet, und hat mich nicht ganz so überzeugt wie der Rest, was daran lag, dass zum Ende hin ein neues philosophisches Fass aufgemacht worden ist, welches die Geschehnisse aus einer anderen Perspektive beleuchten sollte und dadurch die Spannung etwas nachgelassen hat. Insgesamt aber ein wunderbarer Mystery-Thriller, der mit subtilen Grauen spielt und mit einzigartigen Figuren ausgestattet ist. Ein absolute Leseempfehlung für alle Mystery-Fans!


5 von 5 Sterne

      Quelle: Heyne

Samstag, 21. Dezember 2019

Eisige Schwestern - S. K. Tremayne



Worum geht es? 
Ein schreckliches Ereignis erschüttert die junge Familie. Nach dem tragischen Unfall ihrer sechsjährigen Tochter Lydia wollen Sarah und Angus Moorcroft auf einer abgelegenen und einsamen Privatinsel einen Neuanfang starten. Zusammen mit der siebenjährigen Kristie, der Zwillingsschwester der verstorbenen Lydia, ziehen sie auf die Insel Torran. Doch ihre Hoffnung auf Normalität und Familienglück schwindet, als Sarah den Verdacht schöpft, dass hinter Lydias tragischem Unfall möglicherweise doch mehr steckt, als sie zunächst gedacht hat und ihr Mann etwas vor ihr verbirgt. Und dann behauptet auch noch ihre Tochter Kristie, dass sie in Wirklichkeit Lydia sei und in Wahrheit ihre Zwillingsschwester Kristie damals vom Balkon gestürzt ist. Sarah gerät immer mehr darüber in Zweifel, was damals in der Unfallnacht passiert ist und fragt sich, welches Mädchen nun eigentlich an ihrer Seite lebt. 

Meine Meinung zum Buch:
Dieser Psychothriller spielt mit den psychischen Abgründen der Figuren und stellt die Frage nach den Identitäten der Zwillingsmädchen sowie den Geschehnissen der Unfallnacht in den Fokus. Dabei begleitet der Leser die Mutter Sarah und erlebt mit ihr zusammen die verstörende Geschichte: spürt ihre Hoffnungen, aber auch ihre Verwirrtheit, Frustration und ihr zunehmendes Grauen. Kontinuierlich wird ein Spannungsbogen erzeugt, der den Leser mitreißt. Allerdings hatte ich den Eindruck, dass in manchen Situationen die Spannung gekünstelt aufgestaut wird, obwohl es in der Erzählhandlung dafür nicht unbedingt einen Anlass gibt. Der Sprachstil dagegen ist angenehm und erzeugt einen flüssigen Lesefluss. Die zahlreichen Cliffhanger am Ende der Kapitel verleiten zum Weiterlesen und halten den Spannungsbogen aufrecht. Trotz der nervenaufreibenden, unheimlichen und mysteriösen Geschichte hatte ich einige Schwierigkeiten mit den Figuren: im Konkreten mit der Mutter Sarah. Sie wirkt zunehmend unsympathisch und befremdlich, teilweise sogar nervig. So steigert sich Sarah oft in Theorien und Annahmen hinein, die für den außenstehenden Leser nicht überzeugend oder nachvollziehbar sind - für Sarahs Gedankenwelt allerdings schon. 
Dieser Thriller bietet viel Interpretationsspielraum und streut immer wieder Hinweise ein, die nicht nur die Figuren verwirren sollen, sondern auch den Leser. Bis zum Schluss tappt so der Leser im Dunkeln und eine erhellende Aufklärung der Geschehnisse gibt es leider nicht, sondern wird der Interpretation des Lesers überlassen. 

Fazit: Insgesamt ein solider Thriller, der mich gut unterhalten hat. Allerdings fehlen mir in dieser etwas verwirrenden Geschichte besondere Überraschungsmomente, die der Geschichte eine besondere Würze verliehen hätten. Daher gute 3,5 Sterne.


3,5 von 5 Sternen

Samstag, 14. Dezember 2019

Harz - Ane Riel


Worum geht es?
Auf einem kleinen Teil einer Insel, der ‚Kopf‘ genannt wird, lebt eine junge Familie. Der Vater namens Jens hat den Schreinereibetrieb seines Vaters übernommen und führt im ehemaligen Elternhaus mit seiner Frau Maria und seiner kleinen Tochter Liv ein zurückgezogenes Leben. Fast autark wohnt dort die kleine Familie, den sie haben im Grunde alles, was sie zum eigenen Überleben brauchen. Da die restlichen Bewohner der Insel Jens für einen wortkargen, introvertierten und etwas befremdlichen Mann halten, bleiben sie ihm fern. 
Jens hat eine besondere Beziehung zur Gegenständen und eine eigene Sicht auf die Welt und die Natur. Besonders die Tannen und ihr Harz üben auf ihn eine Faszination aus, den dieser klebrige Saft hat die Eigenschaft Dinge zu speichern und zu bewahren – ebenso wie Jens manischen Drang verspürt, Gegenstände zu sammeln, zu horten und sich nicht von ihnen trennen zu können. Und dieser Drang entwickelt sich nicht nur zu einer psychischen Obsession, sondern zu einem langsam heranschleichenden Grauen.


Meine Meinung:
„Harz“ ist ein ganz besonderes Buch und behandelt das Thema der Verlustangst und das ‚Nichtloslassen-Können‘. Die Geschichte entwickelt sich langsam und gleicht eher einem durch traurige und tragische Elemente gekennzeichnetem Familiendrama, als einem Thriller.
Die Besonderheit dieses Romans liegt in der Weltvorstellung des Vaters Jens und seine befremdliche Beziehung zu Objekten sowie sein schon manischer Wunsch alles krampfhaft festzuhalten. Der Leser erhält eine sehr intensive Darstellung dieser Welt- und Wertvorstellung, die insbesondere auf Jens kleine Tochter Liv abfärbt. Durch ihre kindliche und unschuldigen Augen kann die schleichende Verwahrlosung und die katastrophalen Lebenszustände nur erahnt werden.
Der eigentliche Thrill und der wahre Schrecken enthüllt die Geschichte erst durch den Wechsel der Erzählperspektive. Hier zeigt der Roman seine wahre Stärke und hat mir nicht nur eine Gänsehaut beschert, sondern den einen oder anderen Moment der Abartigkeit und des puren Ekels.
„Harz“ ist kein Roman der lauten Worte, sondern eine traurige Familiengeschichte, die erst mit der Zeit sein Potenzial entfaltet und in der Klimax das Schreckliche und Grauenhafte offenbart. 
Trotz eines eher ruhig gestalteten Anfangs, der für einige Leser möglicherweise zu gemächlich für einen Thriller verläuft, hat mich insbesondere der Schluss und die narrative Raffinesse des Romans überzeugt. 
Daher kann ich diesem Roman voll verdiente 4 Sterne vergeben.


4 von 5 Sterne


     Quelle: btb Verlag


Sonntag, 24. November 2019

Der letzte Lilienreiter - Peter Hohmann



Worum geht es?
In einem kleinen Dorf lebt die junge Alvena. In ihrem Land ist erst kürzlich der König gestürzt und die mächtigen Lilienreiter, genannt Adana, zerschlagen worden. Nun versucht der Usurpator Hangar seine Macht auf dem Thron zu festigen und der magiekundige Larkus soll ihm dabei helfen. Allerdings verfolgt dieser seine eigenen, finsteren Pläne.

Fernab dieser ganzen Machtintrigen führt Alvena ein ruhiges Leben. Doch vermisst sie und sehnt sich nach ihren Eltern, die mit einigen anderen in den düsteren Berg, genannt Olothirs Hörner, hineingegangen waren und niemals wiedergefunden werden konnten.
Und dann ist da noch dieses unbekannte, brennende Gefühl in Alvena, eine brodelnde Macht, die immer wieder versucht herauszubrechen. Als sie dann eines Tages auf den verwundenen Padeus, den letzten Lilienreiter, trifft, ändert sich ihr ganzes Leben.



Meine Meinung:
Der letzte Lilienreiter ist mein zweiter Roman des Autors Peter Hohmann. Der erste Roman, den ich von diesem Autor gelesen habe, war Magier des dunklen Pfades und dieses Buch hat mich mit seiner gelungenen Atmosphäre und Charakterzeichnung begeistern können. 
Der letzte Lilienreiter hat es mir da etwas schwieriger gemacht.

Von Beginn an bis etwa zur Mitte des Buches ist die Handlung äußerst spannend und die Geschichte hat mich absolut mitgerissen. Insbesondere einige großartige Ideen und überraschende Wendungen im Roman haben mich in den Bann gezogen und die Geschichte zu einem regelrechten Pageturner gemacht.
Die Geschichte ist mysteriös, entwickelt sich stetig und lässt den Leser gekonnt zunächst im Dunkeln tappen. Bewusst werden dem Leser lediglich einige Häppchen vorgesetzt, um ihn so hungrig auf die nächsten narrativen Leckerbissen zu machen.
Auch der sprachliche Stil und der wortgewandte Ausdruck haben mir durchaus gefallen. Man merkt, dass der Autor gekonnt mit der Sprache spielen kann und Sprachmittel bewusst einsetzt. Allerdings empfand ich einige Sätze als etwas zu verschachtelt und daher zu lang, sodass ich manchmal im Lesefluss etwas ins Stocken geraten bin.

In der zweiten Hälfte des Buches hat die Spannung bei mir leider nachgelassen. Das liegt dran, dass ich den Verlauf der Handlung und einige Ereignisse leider schon erahnen konnte und meine Vermutungen haben sich dahingehend auch bestätigt. 
Die Figurenzeichnungen und die Entwicklung der Figuren sind dagegen durchaus gelungen. Die Figuren offenbaren eine Tiefe, sodass ein Hineinfühlen und ein Nachvollziehen von Handlungsmotivation und Emotionen ermöglicht wurde. Lediglich Padeus bleibt ein großes Mysterium und sein Gefühlsleben ist nur über Dritte zu erahnen. Das diese Figur für mich so wenig greifbar geworden ist, ist ziemlich schade, da ich gern mehr von ihm erfahren hätte. So ist auch der Titel des Buches Der letzte Lilienreiter für meinen Geschmack auch nicht ganz passend, da der Lilienreiter weniger im Fokus der Handlung steht als Alvena. Es scheint, als wäre Der letzte Lilienreiter eher Alvenas Geschichte.

Die zweite Hälfte des Romans ist gegenüber der ersten wesentlich schwächer, da sie einige konstruierte Szenen aufweist, die auf mich etwas unrealistisch gewirkt haben.
Besonders das Ende war für mich nicht zufriedenstellend. Ohne zu viel verraten zu wollen, hatte ich den Eindruck, dass sämtliche Erzählstränge in ein offenes Ende übergeleitet worden waren, ohne die Geschichte richtig abzurunden. So endete die Handlung mitten in der Klimax und hat mich mit mehr als nur einer Frage zurückgelassen. Allerdings wäre an dieser Stelle eine Fortführung der Geschichte in einem Fortsetzungsband durchaus denkbar.

Fazit:
Ein Fantasyroman mit einem starken Beginn, spannender Handlung und tollen Ideen, der jedoch nicht auf voller Länge überzeugen konnte und in einem schwachen Ende mündet.
Daher gute 3,5 von 5 Sterne.


3,5 von 5 Sterne

      Mantikore Verlag




Sonntag, 27. Oktober 2019

Licht und Schatten - Zoran Drvenkar




Worum geht es?
Sibirien 1704. In einem kleinen Dorf wird ein Mädchen geboren – ein Mädchen, auf das schon viele so lange gewartet haben, - einige mit Freude und Hoffnung, andere jedoch lauern seit langer Zeit in der Finsternis und warten darauf die Seele der kleinen Vida zu stehlen. 
Nach dem Tod ihrer Mutter wächst Vida unbekümmert bei ihrem Vater und ihren drei Tanten auf. Sie lernt die Welt mit offenem Herzen zu sehen und wird von ihren Tanten in jeglichen Wissensdisziplinen unterrichtet. Sie ist neugierig, lebensfroh und hat einen starken Willen. Als jedoch eines Tages der Architekt der Zeit sie findet, wird das Leben für die gefährlich, denn mit dieser Begegnung ist es für die dunkeln Mächte nun endlich möglich, Vida aufzuspüren – und sie haben schon so lange nach diesem Mädchen gesucht. 

Zum Buch:
Der Erzähler Aren nimmt uns mit in eine grandiose Welt, eine Mischung aus Fantastik und Märchen, durchzogen vom russischen Flair. Da der Roman in Sibirien spielt, finden sich immer wieder Bezüge zur russischen Geschichte und Kultur, was mir besonders gut gefallen hat.
Vida ist mit ihrem Wissensdurst, ihrer unbändigen Charakterstärke und ihrem Mut eine sympathische Figur, die trotz ihres jungen Alters sehr weise wirkt. Ebenso zeichnen sich die anderen Figuren durch Besonderheiten aus, doch keiner hat diese furchtlose Ausstrahlung wie Vida. 
Obwohl der Erzählstil etwas gewöhnungsbedürftig empfunden werden mag, ist der Roman wie ein exotischer Tee, dessen hervorragender Geschmack sich mit der Zeit entfaltet und in exquisiten Erzählpassagen mündet. So erzählt „Licht und Schatten“ vom klassischen Kampf zwischen Gut und Böse und beinhaltet eine dermaßen epische und gigantische Hintergrundgeschichte, dass sie fast schon zu mächtig wirkt, um sie in der Kürze der Zeit richtig fassen zu können. So erlebte ich gefühlvolle Momente, berührend und mitreißend, traurig poetisch, gleichzeitig jedoch laut und intensiv, gewaltig und gewaltvoll. Einige Szenen waren dermaßen unheimlich und teilweise eklig, dass selbst einem erwachsenen Leser ein Schauer über den Rücken laufen kann. 
Obwohl „Licht und Schatten“ als Jugendbuch betitelt wird, ist der Roman aufgrund einiger brutalen und düsteren Elemente mehr für älteres Publikum geeignet. Das Buch hat mich durchweg überzeugt, lediglich das Ende konnte der Gesamtheit des Romans nicht ebenbürtig werden. Es ist ein akzeptables Ende, aber es ist auch ein Ende, das Fragen offen lässt und dadurch Möglichkeiten einer Fortsetzung aufwirft.
„Licht und Schatten“ hat eine eigene, besondere Note: es ist mystisch, aber auch philosophisch angehaucht. In seiner Vielfalt ist es kein Roman, den man in einem Zug durchlesen, sondern eher als einen besonderen Leckerbissen genießen sollte.

Fazit: Ein besonderes Fantasymärchen mit grandioser Sprache, aber einem eher schwächelnden Ende. Von mir gibt es 4,5/5 Sterne.




4,5 von 5 Sterne



    Quelle: Beltz.de

Samstag, 19. Oktober 2019

Herzmuscheln - Elaine Winter


Worum geht es? 
Die junge Kyla O’Kelley lässt ihr altes Leben hinter sich. Von ihrem Ex betrogen, verliert sich nicht nur die gemeinsame Wohnung, sondern auch ihre Arbeit. Nun beschließt sie einen Neuanfang zu machen und sich ihren Kindheitstraum zu erfüllen. An der irischen Küste kauft sie ein Cottage, um es als ein Guesthouse zu führen. Als sie jedoch das erste Mal ihr gekauftes Haus betritt, muss sie die erste Überraschung erleben – denn in ihrem Haus wohnt schon jemand. Ihr Mitbewohner ist ein älterer Herr namens Rupert, der bereits seit vielen Jahren das Haus bewohnt und nicht daran denkt, nun auszuziehen. Doch Rupert ist nicht der einzige, der Kyla Kopfschmerzen bereitet, denn auch ihr erster Gast Ryan verhält sich sehr seltsam – er will auf seinem Zimmer nicht gestört werden und des nachts klettert er durch Fenster, statt die Tür des Guesthouses zu benutzen. Kyla und Ryan geraten ständig aneinander, doch dann bittet Ryan sie um einen Gefallen und die Dinge entwickeln sich anders, als es sich beide gedacht haben. 

Meine Meinung zum Buch:
„Herzmuscheln“ lässt den Sommer wieder zurückkommen. Es riecht nach Meer, nach frischen Blumen und nach einer Sommerbriese. In die malerische idyllische Landschaft von Irland passt das antike, hübsche Guesthouse perfekt rein. Es ist ein Haus, in dem Träume in Erfüllung gehen, in dem die Gäste sich wieder zu sich selbst und zu ihren Träumen finden. Das Guesthouse ist ein Ort des Neuanfangs und der Hoffnung. All diese positiven Eindrücke begleiten den Leser durch den Roman und man meint das Meer schon selbst rauschen zu hören. Dabei liest sich der Roman sehr flüssig und der Wechsel der unterschiedlichen Perspektiven gibt der Handlung deutlich Vielseitigkeit. Allerdings ist das auch schon alles, was ich Positives zu diesem Liebesroman sagen kann. Die Handlung ist leider sehr absehbar. Zwar steigt die Spannung ab der Mitte an, wird aber so abrupt abgebrochen, dass das nachfolgende Ende schon absolut offensichtlich ist. Der Roman wimmelt leider voll von typischen Liebesklischees: gutaussehender, mysteriöser Mann, Sparziergänge bei Mondschein, romantisches Picknick am Strand, heimliche Gespräche bei Kerzenschein, – hier wurde ganz tief in die Klischee-Schublade gegriffen und dadurch wirkt auf mich die Geschichte sehr gestellt und unnatürlich. Zudem kommen dann einige sehr unrealistische und absurde Szenen vor, die für mich schon so grotesk waren, dass mich das eher belustigt hat. Bis auf Ruperts Vergangenheitsgeschichte, die sehr süß war und mich dann doch berührt hat, konnte mich die Haupt-Lovestory leider überhaupt nicht mitreißen.

Fazit: Wer nun sich die Frische des Sommers noch einmal zurückholen will, etwas weniger anspruchsvolles sucht und keine Scheu hat vor der Klischeeansammlung, kann sich gern „Herzmuscheln“ anlesen. Für mich war dieses Buch leider nichts, daher vergebe ich 2,5 Sterne.

2,5 von 5 Sterne



   Quelle: lübbe.de

Sonntag, 13. Oktober 2019

Kalte Wasser - Melanie Golding


Worum geht es?
Der Roman von Melanie Golding handelt von einer jungen Frau namens Lauren, die zu Beginn des Romans ihre Zwillinge zur Welt bringt. Nach den ganzen Strapazen der Geburt fühlt sich Lauren nicht nur müde und ausgelaugt, sondern zudem der neuen Situation völlig ausgeliefert und überfordert. Dann erscheint ihr nachts im Zimmer des Krankenhauses eine in schmutzige Lumpen gekleidete, seltsame Frau, die ihr einen Handel vorschlägt. Sie möchte Laurens Zwillinge gegen ihre eigenen tauschen. Lauren ist völlig entsetzt von diesem Vorschlag, und kann sich nur noch mit Mühe gegen den Übergriff der seltsamen Frau wehren. Sie schafft es ihre Neugeborenen zu retten. Doch scheint ihr nach diesem Vorfall keiner so richtig zu glauben, denn bis auf Lauren hat die unheimliche Frau niemand gesehen. Nachdem immer mehr seltsame und unheimliche Vorfälle passieren, ist Lauren völlig überzeugt, dass ihre Kinder vertauscht worden sind. Und nun fragt sich nicht nur Lauren, sondern auch Sergeant Harper, was real ist und was nur die Einbildung einer psychisch labilen Frau.

Meine Meinung zum Buch: 
Die Thematik des Mystischen und die Sage um die Wechselbälger hat mich bei diesem Roman direkt angesprochen. Der frühere Glaube, dass der Teufel, unheimliche Wesen und Ähnliches das eigene Kind gegen ein äußeres identisches, aber völlig fremdes Kind eintauschen würden, ist stark mit der Wochenbettpsychose verknüpft. Auch in „Kalte Wasser“ ist die ganze Zeit nicht klar, ob Lauren tatsächlich etwas Übernatürliches erlebt hat, oder eher unter einer psychischen Störung leidet. Und mit dieser Ungewissheit spielt dieser Thriller. Der Schreibstil und die unheimliche und düstere Stimmung des Romans passen hervorragend zur Thematik. Golding schreibt flüssig, klar und ihr Formulierungen sind so bildhaft, dass die schaurigen Szenen sehr lebendig wirken. Allerdings gibt es einige blutige und ziemlich eklige Passagen, die nichts für schwache Nerven sind. Auch die Spannung durchzieht den Roman durchweg, gerade zum Ende des Thrillers steigt das Spannungsbarometer noch mal in die Höhe. Das Ende war jedoch absehbar und konnte leider nicht mehr völlig überzeugen. Als störend empfinde ich zudem einige teilweise sehr unlogische und absurde Szenen, die für mich nicht nachvollziehbar waren. Einige Szenen wiederum hätte ich gerne aus der Perspektive einer anderen Figur gesehen. Besondere Momente wurden manchmal übersprungen, die man gern miterlebt hätte und nun der Fantasie des Lesers überlassen worden sind. Mit den Figuren konnte ich auch nicht richtig warm werden. Lauren ist und bleibt ein Mysterium und für mich nicht richtig greifbar. Die restlichen Figuren sind oftmals unsympathisch, lediglich Sergeant Harper kann durch ihre Art einige Sympathie-Pluspunkte für sich gewinnen. Jedoch hat mich die angedeutete Lovestory, in der sie verwickelt war, etwas genervt.

Fazit: Das Thema hat mich gereizt und wurde hervorragend im Thriller eingebaut, die Umsetzung konnte jedoch nicht völlig überzeugen. Für alle, die gern unheimliche Thriller lesen und auch mit dem Wechselbalg-Thema etwas anfangen können, kann ich „Kalte Wasser“ jedoch empfehlen.


3,5 von 5 Sterne

      Quelle: HarperCollins

Dienstag, 8. Oktober 2019

Der Kinderflüsterer- Alex North


Worum geht es? 
Nach dem Tod seiner Frau ist es für Tom nicht einfach. Er und sein Sohn Jake müssen sich nun allein durchs Leben schlagen. In Featherbank möchte Tom mit seinem Sohn ein neues Leben anfangen, doch bereits ihr neues Heim scheint sich als schauriges Gruselhaus zu entpuppen. Das sein Sohn mit einem unsichtbaren Mädchen spricht, erschwert auch noch die schon schwierige Beziehung zwischen Vater und Sohn. Doch ahnen sie beim Einzug noch nicht, dass in Featherbank sich ein Mörder rumtreibt, den die Leute den ‚Kinderflüsterer‘ nennen. 

Meine Meinung zum Buch: 
Alex North schafft mit dem „Kinderflüsterer“ einen grandiosen Schauer-Thriller. Dabei erzeugt er mit seinem unheimlichen und fesselnden Erzählstil eine düstere und schauerliche Atmosphäre. Mit seiner meisterhaften Erzählweise haucht er Objekten eine Seele ein und lässt sich lebendig und gleichzeitig bedrohlich wirken. Er hat aber ebenso ein feines Gespür für gefühlvolle Nuancen und kann emotional rührend die Sorgen, Ängste und die plagende Hilflosigkeit des Vaters Tom darstellen. Durchzogen wird der Roman von der Vater-Sohn-Thematik, wobei der Fokus auf den persönlichen Schwächen der Figuren liegt, sodass es scheint, dass jeder sein eigenes Päckchen zu tragen hat. Gleichzeitig werden unheimliche Elemente immer wieder in die Handlung eingestreut. Die im Roman dargestellte Gradwanderung zwischen Realität und Fiktion lässt die Spannung enorm steigern. So ist es oft nicht klar, ob die übernatürlichen Begebenheiten tatsächlich passieren, ober ob sie Jakes Fantasie entspringen. Ebenso haben es mir die zahlreichen eingebauten Cliffhänger praktisch unmöglich gemacht das Buch aus den Händen zu legen. Zudem hat die Handlung an einigen Stellen so unglaubliche Wendungen hingelegt, dass ich nur noch sprachlos war. 
Obwohl das Ende für mich dann doch etwas absehbar war, konnte mich das Buch durch die fesselnde Handlung, die überaus authentischen Figuren und die brillante Erzählweise mehr als nur überzeugen. 

Fazit:
Wer nun ein passendes Buch zu Halloween sucht, ist beim „Kinderflüsterer“ sehr gut aufgehoben! Absolute und uneingeschränkte Empfehlung für alle Thriller-Fans mit Vorliebe für Gänsehaut-Feeling!


5 von 5 Sterne

     Quelle: Blanvalet