Freitag, 17. Januar 2020

Das Institut - Stephen King




Worum geht es? 
Der 12-jährige hochbegabte Luke wacht plötzlich in einem Zimmer auf, das seinem eigenen Zimmer nahezu identisch ist – aber nur nahezu. In einer ruhigen Vorstadtsiedlung von Minneapolis wurden Lukes Eltern ermordet und Luke betäubt und entführt. Mit einigen anderen Kindern seines Alters wird Luke nun in einem Gebäudekomplex festgehalten, das als „das Institut“ bezeichnet wird. Bald stellt Luke fest, dass alle Kinder etwas gemeinsam haben: sie haben parakinetische oder telepathische Fähigkeiten, die sie mehr oder weniger bewusst kontrollieren könnten. Tests und Versuche werden mit den Kindern durchgeführt und die „guten Kumpels“ werden mit Münzen für braves Verhalten belohnt. Dann erfährt Luke, dass bereits andere Kinder in den sogenannten „Hinterbau“ verlegt worden sind, und dass diese Kinder nie mehr wiedergesehen wurden. Als Lukes liebgewonne Freunde nun auch in den Hinterbau verlegt werden, wird der verzweifelte Wunsch immer größer aus dem Institut zu fliehen und Hilfe zu holen. 

Meine Meinung: 
Eigentlich könnte man die Handlung des Mystery-Thrillers „Das Institut“ in einigen wenigen Sätzen zusammenfassen, dennoch ist das Buch mit seinen 768 Seiten ein ordentlicher Schinken geworden. All diese Seiten nutzt King, seine Geschichte zu entfalten, das Setting auszugestalten und den Figuren die nötige Charaktertiefe zu verleihen - und das finde ich großartig! King nimmt sich Zeit zum Erzählen und der Leser nimmt sich dadurch die Zeit in die Geschichte einzutauchen und Luke und seine Freunde ins Herz zu schließen. Wer bei diesem Buch auf einen schnellen Thriller hofft, bei dem auf jeder Seite dem Leser eine atemberaubende Wendung um die Ohren gehauen wird, wird hier womöglich enttäuscht sein. „Das Institut“ hat mich jedoch nicht enttäuscht, sondern mich vielmehr meisterhaft unterhalten, sodass ich dieses Buch wirklich genießen konnte. Trotz einiger Längen hatte ich niemals das Gefühl mich zu langweilen, im Gegenteil durchzog sich für mich ein konstanter Spannungsbogen, der zum Ende des Buches rasant zugenommen hat. Allerdings war das Ende für mich etwas unerwartet, und hat mich nicht ganz so überzeugt wie der Rest, was daran lag, dass zum Ende hin ein neues philosophisches Fass aufgemacht worden ist, welches die Geschehnisse aus einer anderen Perspektive beleuchten sollte und dadurch die Spannung etwas nachgelassen hat. Insgesamt aber ein wunderbarer Mystery-Thriller, der mit subtilen Grauen spielt und mit einzigartigen Figuren ausgestattet ist. Ein absolute Leseempfehlung für alle Mystery-Fans!


5 von 5 Sterne

      Quelle: Heyne

Samstag, 21. Dezember 2019

Eisige Schwestern - S. K. Tremayne



Worum geht es? 
Ein schreckliches Ereignis erschüttert die junge Familie. Nach dem tragischen Unfall ihrer sechsjährigen Tochter Lydia wollen Sarah und Angus Moorcroft auf einer abgelegenen und einsamen Privatinsel einen Neuanfang starten. Zusammen mit der siebenjährigen Kristie, der Zwillingsschwester der verstorbenen Lydia, ziehen sie auf die Insel Torran. Doch ihre Hoffnung auf Normalität und Familienglück schwindet, als Sarah den Verdacht schöpft, dass hinter Lydias tragischem Unfall möglicherweise doch mehr steckt, als sie zunächst gedacht hat und ihr Mann etwas vor ihr verbirgt. Und dann behauptet auch noch ihre Tochter Kristie, dass sie in Wirklichkeit Lydia sei und in Wahrheit ihre Zwillingsschwester Kristie damals vom Balkon gestürzt ist. Sarah gerät immer mehr darüber in Zweifel, was damals in der Unfallnacht passiert ist und fragt sich, welches Mädchen nun eigentlich an ihrer Seite lebt. 

Meine Meinung zum Buch:
Dieser Psychothriller spielt mit den psychischen Abgründen der Figuren und stellt die Frage nach den Identitäten der Zwillingsmädchen sowie den Geschehnissen der Unfallnacht in den Fokus. Dabei begleitet der Leser die Mutter Sarah und erlebt mit ihr zusammen die verstörende Geschichte: spürt ihre Hoffnungen, aber auch ihre Verwirrtheit, Frustration und ihr zunehmendes Grauen. Kontinuierlich wird ein Spannungsbogen erzeugt, der den Leser mitreißt. Allerdings hatte ich den Eindruck, dass in manchen Situationen die Spannung gekünstelt aufgestaut wird, obwohl es in der Erzählhandlung dafür nicht unbedingt einen Anlass gibt. Der Sprachstil dagegen ist angenehm und erzeugt einen flüssigen Lesefluss. Die zahlreichen Cliffhanger am Ende der Kapitel verleiten zum Weiterlesen und halten den Spannungsbogen aufrecht. Trotz der nervenaufreibenden, unheimlichen und mysteriösen Geschichte hatte ich einige Schwierigkeiten mit den Figuren: im Konkreten mit der Mutter Sarah. Sie wirkt zunehmend unsympathisch und befremdlich, teilweise sogar nervig. So steigert sich Sarah oft in Theorien und Annahmen hinein, die für den außenstehenden Leser nicht überzeugend oder nachvollziehbar sind - für Sarahs Gedankenwelt allerdings schon. 
Dieser Thriller bietet viel Interpretationsspielraum und streut immer wieder Hinweise ein, die nicht nur die Figuren verwirren sollen, sondern auch den Leser. Bis zum Schluss tappt so der Leser im Dunkeln und eine erhellende Aufklärung der Geschehnisse gibt es leider nicht, sondern wird der Interpretation des Lesers überlassen. 

Fazit: Insgesamt ein solider Thriller, der mich gut unterhalten hat. Allerdings fehlen mir in dieser etwas verwirrenden Geschichte besondere Überraschungsmomente, die der Geschichte eine besondere Würze verliehen hätten. Daher gute 3,5 Sterne.


3,5 von 5 Sternen

Samstag, 14. Dezember 2019

Harz - Ane Riel


Worum geht es?
Auf einem kleinen Teil einer Insel, der ‚Kopf‘ genannt wird, lebt eine junge Familie. Der Vater namens Jens hat den Schreinereibetrieb seines Vaters übernommen und führt im ehemaligen Elternhaus mit seiner Frau Maria und seiner kleinen Tochter Liv ein zurückgezogenes Leben. Fast autark wohnt dort die kleine Familie, den sie haben im Grunde alles, was sie zum eigenen Überleben brauchen. Da die restlichen Bewohner der Insel Jens für einen wortkargen, introvertierten und etwas befremdlichen Mann halten, bleiben sie ihm fern. 
Jens hat eine besondere Beziehung zur Gegenständen und eine eigene Sicht auf die Welt und die Natur. Besonders die Tannen und ihr Harz üben auf ihn eine Faszination aus, den dieser klebrige Saft hat die Eigenschaft Dinge zu speichern und zu bewahren – ebenso wie Jens manischen Drang verspürt, Gegenstände zu sammeln, zu horten und sich nicht von ihnen trennen zu können. Und dieser Drang entwickelt sich nicht nur zu einer psychischen Obsession, sondern zu einem langsam heranschleichenden Grauen.


Meine Meinung:
„Harz“ ist ein ganz besonderes Buch und behandelt das Thema der Verlustangst und das ‚Nichtloslassen-Können‘. Die Geschichte entwickelt sich langsam und gleicht eher einem durch traurige und tragische Elemente gekennzeichnetem Familiendrama, als einem Thriller.
Die Besonderheit dieses Romans liegt in der Weltvorstellung des Vaters Jens und seine befremdliche Beziehung zu Objekten sowie sein schon manischer Wunsch alles krampfhaft festzuhalten. Der Leser erhält eine sehr intensive Darstellung dieser Welt- und Wertvorstellung, die insbesondere auf Jens kleine Tochter Liv abfärbt. Durch ihre kindliche und unschuldigen Augen kann die schleichende Verwahrlosung und die katastrophalen Lebenszustände nur erahnt werden.
Der eigentliche Thrill und der wahre Schrecken enthüllt die Geschichte erst durch den Wechsel der Erzählperspektive. Hier zeigt der Roman seine wahre Stärke und hat mir nicht nur eine Gänsehaut beschert, sondern den einen oder anderen Moment der Abartigkeit und des puren Ekels.
„Harz“ ist kein Roman der lauten Worte, sondern eine traurige Familiengeschichte, die erst mit der Zeit sein Potenzial entfaltet und in der Klimax das Schreckliche und Grauenhafte offenbart. 
Trotz eines eher ruhig gestalteten Anfangs, der für einige Leser möglicherweise zu gemächlich für einen Thriller verläuft, hat mich insbesondere der Schluss und die narrative Raffinesse des Romans überzeugt. 
Daher kann ich diesem Roman voll verdiente 4 Sterne vergeben.


4 von 5 Sterne


     Quelle: btb Verlag


Sonntag, 24. November 2019

Der letzte Lilienreiter - Peter Hohmann



Worum geht es?
In einem kleinen Dorf lebt die junge Alvena. In ihrem Land ist erst kürzlich der König gestürzt und die mächtigen Lilienreiter, genannt Adana, zerschlagen worden. Nun versucht der Usurpator Hangar seine Macht auf dem Thron zu festigen und der magiekundige Larkus soll ihm dabei helfen. Allerdings verfolgt dieser seine eigenen, finsteren Pläne.

Fernab dieser ganzen Machtintrigen führt Alvena ein ruhiges Leben. Doch vermisst sie und sehnt sich nach ihren Eltern, die mit einigen anderen in den düsteren Berg, genannt Olothirs Hörner, hineingegangen waren und niemals wiedergefunden werden konnten.
Und dann ist da noch dieses unbekannte, brennende Gefühl in Alvena, eine brodelnde Macht, die immer wieder versucht herauszubrechen. Als sie dann eines Tages auf den verwundenen Padeus, den letzten Lilienreiter, trifft, ändert sich ihr ganzes Leben.



Meine Meinung:
Der letzte Lilienreiter ist mein zweiter Roman des Autors Peter Hohmann. Der erste Roman, den ich von diesem Autor gelesen habe, war Magier des dunklen Pfades und dieses Buch hat mich mit seiner gelungenen Atmosphäre und Charakterzeichnung begeistern können. 
Der letzte Lilienreiter hat es mir da etwas schwieriger gemacht.

Von Beginn an bis etwa zur Mitte des Buches ist die Handlung äußerst spannend und die Geschichte hat mich absolut mitgerissen. Insbesondere einige großartige Ideen und überraschende Wendungen im Roman haben mich in den Bann gezogen und die Geschichte zu einem regelrechten Pageturner gemacht.
Die Geschichte ist mysteriös, entwickelt sich stetig und lässt den Leser gekonnt zunächst im Dunkeln tappen. Bewusst werden dem Leser lediglich einige Häppchen vorgesetzt, um ihn so hungrig auf die nächsten narrativen Leckerbissen zu machen.
Auch der sprachliche Stil und der wortgewandte Ausdruck haben mir durchaus gefallen. Man merkt, dass der Autor gekonnt mit der Sprache spielen kann und Sprachmittel bewusst einsetzt. Allerdings empfand ich einige Sätze als etwas zu verschachtelt und daher zu lang, sodass ich manchmal im Lesefluss etwas ins Stocken geraten bin.

In der zweiten Hälfte des Buches hat die Spannung bei mir leider nachgelassen. Das liegt dran, dass ich den Verlauf der Handlung und einige Ereignisse leider schon erahnen konnte und meine Vermutungen haben sich dahingehend auch bestätigt. 
Die Figurenzeichnungen und die Entwicklung der Figuren sind dagegen durchaus gelungen. Die Figuren offenbaren eine Tiefe, sodass ein Hineinfühlen und ein Nachvollziehen von Handlungsmotivation und Emotionen ermöglicht wurde. Lediglich Padeus bleibt ein großes Mysterium und sein Gefühlsleben ist nur über Dritte zu erahnen. Das diese Figur für mich so wenig greifbar geworden ist, ist ziemlich schade, da ich gern mehr von ihm erfahren hätte. So ist auch der Titel des Buches Der letzte Lilienreiter für meinen Geschmack auch nicht ganz passend, da der Lilienreiter weniger im Fokus der Handlung steht als Alvena. Es scheint, als wäre Der letzte Lilienreiter eher Alvenas Geschichte.

Die zweite Hälfte des Romans ist gegenüber der ersten wesentlich schwächer, da sie einige konstruierte Szenen aufweist, die auf mich etwas unrealistisch gewirkt haben.
Besonders das Ende war für mich nicht zufriedenstellend. Ohne zu viel verraten zu wollen, hatte ich den Eindruck, dass sämtliche Erzählstränge in ein offenes Ende übergeleitet worden waren, ohne die Geschichte richtig abzurunden. So endete die Handlung mitten in der Klimax und hat mich mit mehr als nur einer Frage zurückgelassen. Allerdings wäre an dieser Stelle eine Fortführung der Geschichte in einem Fortsetzungsband durchaus denkbar.

Fazit:
Ein Fantasyroman mit einem starken Beginn, spannender Handlung und tollen Ideen, der jedoch nicht auf voller Länge überzeugen konnte und in einem schwachen Ende mündet.
Daher gute 3,5 von 5 Sterne.


3,5 von 5 Sterne

      Mantikore Verlag




Sonntag, 27. Oktober 2019

Licht und Schatten - Zoran Drvenkar




Worum geht es?
Sibirien 1704. In einem kleinen Dorf wird ein Mädchen geboren – ein Mädchen, auf das schon viele so lange gewartet haben, - einige mit Freude und Hoffnung, andere jedoch lauern seit langer Zeit in der Finsternis und warten darauf die Seele der kleinen Vida zu stehlen. 
Nach dem Tod ihrer Mutter wächst Vida unbekümmert bei ihrem Vater und ihren drei Tanten auf. Sie lernt die Welt mit offenem Herzen zu sehen und wird von ihren Tanten in jeglichen Wissensdisziplinen unterrichtet. Sie ist neugierig, lebensfroh und hat einen starken Willen. Als jedoch eines Tages der Architekt der Zeit sie findet, wird das Leben für die gefährlich, denn mit dieser Begegnung ist es für die dunkeln Mächte nun endlich möglich, Vida aufzuspüren – und sie haben schon so lange nach diesem Mädchen gesucht. 

Zum Buch:
Der Erzähler Aren nimmt uns mit in eine grandiose Welt, eine Mischung aus Fantastik und Märchen, durchzogen vom russischen Flair. Da der Roman in Sibirien spielt, finden sich immer wieder Bezüge zur russischen Geschichte und Kultur, was mir besonders gut gefallen hat.
Vida ist mit ihrem Wissensdurst, ihrer unbändigen Charakterstärke und ihrem Mut eine sympathische Figur, die trotz ihres jungen Alters sehr weise wirkt. Ebenso zeichnen sich die anderen Figuren durch Besonderheiten aus, doch keiner hat diese furchtlose Ausstrahlung wie Vida. 
Obwohl der Erzählstil etwas gewöhnungsbedürftig empfunden werden mag, ist der Roman wie ein exotischer Tee, dessen hervorragender Geschmack sich mit der Zeit entfaltet und in exquisiten Erzählpassagen mündet. So erzählt „Licht und Schatten“ vom klassischen Kampf zwischen Gut und Böse und beinhaltet eine dermaßen epische und gigantische Hintergrundgeschichte, dass sie fast schon zu mächtig wirkt, um sie in der Kürze der Zeit richtig fassen zu können. So erlebte ich gefühlvolle Momente, berührend und mitreißend, traurig poetisch, gleichzeitig jedoch laut und intensiv, gewaltig und gewaltvoll. Einige Szenen waren dermaßen unheimlich und teilweise eklig, dass selbst einem erwachsenen Leser ein Schauer über den Rücken laufen kann. 
Obwohl „Licht und Schatten“ als Jugendbuch betitelt wird, ist der Roman aufgrund einiger brutalen und düsteren Elemente mehr für älteres Publikum geeignet. Das Buch hat mich durchweg überzeugt, lediglich das Ende konnte der Gesamtheit des Romans nicht ebenbürtig werden. Es ist ein akzeptables Ende, aber es ist auch ein Ende, das Fragen offen lässt und dadurch Möglichkeiten einer Fortsetzung aufwirft.
„Licht und Schatten“ hat eine eigene, besondere Note: es ist mystisch, aber auch philosophisch angehaucht. In seiner Vielfalt ist es kein Roman, den man in einem Zug durchlesen, sondern eher als einen besonderen Leckerbissen genießen sollte.

Fazit: Ein besonderes Fantasymärchen mit grandioser Sprache, aber einem eher schwächelnden Ende. Von mir gibt es 4,5/5 Sterne.




4,5 von 5 Sterne



    Quelle: Beltz.de

Samstag, 19. Oktober 2019

Herzmuscheln - Elaine Winter


Worum geht es? 
Die junge Kyla O’Kelley lässt ihr altes Leben hinter sich. Von ihrem Ex betrogen, verliert sich nicht nur die gemeinsame Wohnung, sondern auch ihre Arbeit. Nun beschließt sie einen Neuanfang zu machen und sich ihren Kindheitstraum zu erfüllen. An der irischen Küste kauft sie ein Cottage, um es als ein Guesthouse zu führen. Als sie jedoch das erste Mal ihr gekauftes Haus betritt, muss sie die erste Überraschung erleben – denn in ihrem Haus wohnt schon jemand. Ihr Mitbewohner ist ein älterer Herr namens Rupert, der bereits seit vielen Jahren das Haus bewohnt und nicht daran denkt, nun auszuziehen. Doch Rupert ist nicht der einzige, der Kyla Kopfschmerzen bereitet, denn auch ihr erster Gast Ryan verhält sich sehr seltsam – er will auf seinem Zimmer nicht gestört werden und des nachts klettert er durch Fenster, statt die Tür des Guesthouses zu benutzen. Kyla und Ryan geraten ständig aneinander, doch dann bittet Ryan sie um einen Gefallen und die Dinge entwickeln sich anders, als es sich beide gedacht haben. 

Meine Meinung zum Buch:
„Herzmuscheln“ lässt den Sommer wieder zurückkommen. Es riecht nach Meer, nach frischen Blumen und nach einer Sommerbriese. In die malerische idyllische Landschaft von Irland passt das antike, hübsche Guesthouse perfekt rein. Es ist ein Haus, in dem Träume in Erfüllung gehen, in dem die Gäste sich wieder zu sich selbst und zu ihren Träumen finden. Das Guesthouse ist ein Ort des Neuanfangs und der Hoffnung. All diese positiven Eindrücke begleiten den Leser durch den Roman und man meint das Meer schon selbst rauschen zu hören. Dabei liest sich der Roman sehr flüssig und der Wechsel der unterschiedlichen Perspektiven gibt der Handlung deutlich Vielseitigkeit. Allerdings ist das auch schon alles, was ich Positives zu diesem Liebesroman sagen kann. Die Handlung ist leider sehr absehbar. Zwar steigt die Spannung ab der Mitte an, wird aber so abrupt abgebrochen, dass das nachfolgende Ende schon absolut offensichtlich ist. Der Roman wimmelt leider voll von typischen Liebesklischees: gutaussehender, mysteriöser Mann, Sparziergänge bei Mondschein, romantisches Picknick am Strand, heimliche Gespräche bei Kerzenschein, – hier wurde ganz tief in die Klischee-Schublade gegriffen und dadurch wirkt auf mich die Geschichte sehr gestellt und unnatürlich. Zudem kommen dann einige sehr unrealistische und absurde Szenen vor, die für mich schon so grotesk waren, dass mich das eher belustigt hat. Bis auf Ruperts Vergangenheitsgeschichte, die sehr süß war und mich dann doch berührt hat, konnte mich die Haupt-Lovestory leider überhaupt nicht mitreißen.

Fazit: Wer nun sich die Frische des Sommers noch einmal zurückholen will, etwas weniger anspruchsvolles sucht und keine Scheu hat vor der Klischeeansammlung, kann sich gern „Herzmuscheln“ anlesen. Für mich war dieses Buch leider nichts, daher vergebe ich 2,5 Sterne.

2,5 von 5 Sterne



   Quelle: lübbe.de

Sonntag, 13. Oktober 2019

Kalte Wasser - Melanie Golding


Worum geht es?
Der Roman von Melanie Golding handelt von einer jungen Frau namens Lauren, die zu Beginn des Romans ihre Zwillinge zur Welt bringt. Nach den ganzen Strapazen der Geburt fühlt sich Lauren nicht nur müde und ausgelaugt, sondern zudem der neuen Situation völlig ausgeliefert und überfordert. Dann erscheint ihr nachts im Zimmer des Krankenhauses eine in schmutzige Lumpen gekleidete, seltsame Frau, die ihr einen Handel vorschlägt. Sie möchte Laurens Zwillinge gegen ihre eigenen tauschen. Lauren ist völlig entsetzt von diesem Vorschlag, und kann sich nur noch mit Mühe gegen den Übergriff der seltsamen Frau wehren. Sie schafft es ihre Neugeborenen zu retten. Doch scheint ihr nach diesem Vorfall keiner so richtig zu glauben, denn bis auf Lauren hat die unheimliche Frau niemand gesehen. Nachdem immer mehr seltsame und unheimliche Vorfälle passieren, ist Lauren völlig überzeugt, dass ihre Kinder vertauscht worden sind. Und nun fragt sich nicht nur Lauren, sondern auch Sergeant Harper, was real ist und was nur die Einbildung einer psychisch labilen Frau.

Meine Meinung zum Buch: 
Die Thematik des Mystischen und die Sage um die Wechselbälger hat mich bei diesem Roman direkt angesprochen. Der frühere Glaube, dass der Teufel, unheimliche Wesen und Ähnliches das eigene Kind gegen ein äußeres identisches, aber völlig fremdes Kind eintauschen würden, ist stark mit der Wochenbettpsychose verknüpft. Auch in „Kalte Wasser“ ist die ganze Zeit nicht klar, ob Lauren tatsächlich etwas Übernatürliches erlebt hat, oder eher unter einer psychischen Störung leidet. Und mit dieser Ungewissheit spielt dieser Thriller. Der Schreibstil und die unheimliche und düstere Stimmung des Romans passen hervorragend zur Thematik. Golding schreibt flüssig, klar und ihr Formulierungen sind so bildhaft, dass die schaurigen Szenen sehr lebendig wirken. Allerdings gibt es einige blutige und ziemlich eklige Passagen, die nichts für schwache Nerven sind. Auch die Spannung durchzieht den Roman durchweg, gerade zum Ende des Thrillers steigt das Spannungsbarometer noch mal in die Höhe. Das Ende war jedoch absehbar und konnte leider nicht mehr völlig überzeugen. Als störend empfinde ich zudem einige teilweise sehr unlogische und absurde Szenen, die für mich nicht nachvollziehbar waren. Einige Szenen wiederum hätte ich gerne aus der Perspektive einer anderen Figur gesehen. Besondere Momente wurden manchmal übersprungen, die man gern miterlebt hätte und nun der Fantasie des Lesers überlassen worden sind. Mit den Figuren konnte ich auch nicht richtig warm werden. Lauren ist und bleibt ein Mysterium und für mich nicht richtig greifbar. Die restlichen Figuren sind oftmals unsympathisch, lediglich Sergeant Harper kann durch ihre Art einige Sympathie-Pluspunkte für sich gewinnen. Jedoch hat mich die angedeutete Lovestory, in der sie verwickelt war, etwas genervt.

Fazit: Das Thema hat mich gereizt und wurde hervorragend im Thriller eingebaut, die Umsetzung konnte jedoch nicht völlig überzeugen. Für alle, die gern unheimliche Thriller lesen und auch mit dem Wechselbalg-Thema etwas anfangen können, kann ich „Kalte Wasser“ jedoch empfehlen.


3,5 von 5 Sterne

      Quelle: HarperCollins

Dienstag, 8. Oktober 2019

Der Kinderflüsterer- Alex North


Worum geht es? 
Nach dem Tod seiner Frau ist es für Tom nicht einfach. Er und sein Sohn Jake müssen sich nun allein durchs Leben schlagen. In Featherbank möchte Tom mit seinem Sohn ein neues Leben anfangen, doch bereits ihr neues Heim scheint sich als schauriges Gruselhaus zu entpuppen. Das sein Sohn mit einem unsichtbaren Mädchen spricht, erschwert auch noch die schon schwierige Beziehung zwischen Vater und Sohn. Doch ahnen sie beim Einzug noch nicht, dass in Featherbank sich ein Mörder rumtreibt, den die Leute den ‚Kinderflüsterer‘ nennen. 

Meine Meinung zum Buch: 
Alex North schafft mit dem „Kinderflüsterer“ einen grandiosen Schauer-Thriller. Dabei erzeugt er mit seinem unheimlichen und fesselnden Erzählstil eine düstere und schauerliche Atmosphäre. Mit seiner meisterhaften Erzählweise haucht er Objekten eine Seele ein und lässt sich lebendig und gleichzeitig bedrohlich wirken. Er hat aber ebenso ein feines Gespür für gefühlvolle Nuancen und kann emotional rührend die Sorgen, Ängste und die plagende Hilflosigkeit des Vaters Tom darstellen. Durchzogen wird der Roman von der Vater-Sohn-Thematik, wobei der Fokus auf den persönlichen Schwächen der Figuren liegt, sodass es scheint, dass jeder sein eigenes Päckchen zu tragen hat. Gleichzeitig werden unheimliche Elemente immer wieder in die Handlung eingestreut. Die im Roman dargestellte Gradwanderung zwischen Realität und Fiktion lässt die Spannung enorm steigern. So ist es oft nicht klar, ob die übernatürlichen Begebenheiten tatsächlich passieren, ober ob sie Jakes Fantasie entspringen. Ebenso haben es mir die zahlreichen eingebauten Cliffhänger praktisch unmöglich gemacht das Buch aus den Händen zu legen. Zudem hat die Handlung an einigen Stellen so unglaubliche Wendungen hingelegt, dass ich nur noch sprachlos war. 
Obwohl das Ende für mich dann doch etwas absehbar war, konnte mich das Buch durch die fesselnde Handlung, die überaus authentischen Figuren und die brillante Erzählweise mehr als nur überzeugen. 

Fazit:
Wer nun ein passendes Buch zu Halloween sucht, ist beim „Kinderflüsterer“ sehr gut aufgehoben! Absolute und uneingeschränkte Empfehlung für alle Thriller-Fans mit Vorliebe für Gänsehaut-Feeling!


5 von 5 Sterne

     Quelle: Blanvalet



Darkanum. Im Bann der Raunächte - Uta Reichardt



Worum geht es?
Der Jugendroman handelt von Merit und Ben. Sie sind Zwillinge, doch wurden sie nach dem Hausbrand und dem Tod ihrer Eltern auseinandergerissen. Beide verbindet eine besondere Fähigkeit, denn sie sind Zeitspringer und können während der Raunächte in den Körper ihrer Vorfahren schlüpfen.
Eines Tages wird Ben von einer dubiosen Geheimorganisation namens 'Darkanum' entführt. Ben, der aus seinem Heim ausgerissen ist und nun auf der Straße lebt, soll für Darkanum in den Körper seines Großvaters springen und auf diese Weise in die Vergangenheit reisen. Aber nicht nur das: er bekommt zudem den Auftrag dort eine magische Doppelmaske zu finden. Das ganze Unterfangen ist jedoch nicht ungefährlich, denn schafft er es nicht rechtzeitig bis zum Ende der Raunächte (25. Dez-06. Jan), wird er nicht mehr in seinen eigenen Körper zurückkehren können.
Seine Zwillingsschwester Merit lebt dagegen in einem Heim und wird von Tilda Fox, die für die Polizei in der Abteilung Raunächte arbeitet, gut bewacht. Als sie erfährt, dass ihr Bruder möglicherweise in Gefahr schwebt, entschließt sie sich kurzerhand ebenfalls in die Vergangenheit zu springen. Sie will unbedingt ihren Bruder wiedersehen und ihn zurückholen – und notfalls legt sie sich auch mit Darkanum an.


Meine Meinung zum Buch:
Das Cover des Buches hat mich sofort neugierig gemacht. Und es passt hervorragend zur Thematik des Romans, da es nicht nur das Thema der Zeit in den Fokus rückt, sondern auch auf die mystischen Aspekte der Geschichte hindeutet. Ebenfalls gefällt mir die Haptik des Hardcoverbandes, da es eine tolle Folienprägung aufweist und sich insgesamt sehr solide anfühlt.

Der Einstieg in den Jugendroman fiel mir leicht, da ich mühelos in die Handlung eintauchen konnte. Der Erzählstil ist einfach, gleichzeitig präzise, klar und verständlich. Von Beginn an werden unerklärliche Ereignisse und Geheimnisse angedeutet, sodass die Spannung beim Leser kontinuierlich steigt. Insbesondere waren die Erlebnisse der Zwillinge nach dem Zeitsprung sehr mitreißend. Positiv hervorzuheben ist, dass das Alltagsleben und die Sorgen und Ängste der Menschen der damaligen Zeit um 1945 immer wieder aufgegriffen werden und somit diesem Roman auch eine historische Komponente beiliegt. So wird Merit immer wieder bewusst, wie anders das Leben der Jugendlichen der damaligen Zeit war und wie sehr sich dieses Leben von ihrem eigenen, modernen Leben unterscheidet.

Die Idee in den Körper seiner Vorfahren zu schlüpfen ist einfallsreich und interessant und so habe ich Merits Eindrücke und Schilderungen nach dem Zeitsprung mit Spannung verfolgt.
Allerdings konnten mich die Charaktere des Romans nicht völlig überzeugen.
Merit ist eine zielstrebige und überaus mutige, junge Frau. Doch handelt sie oft völlig überstürzt und setzt durch ihren jugendlichen und naiven Übermut nicht nur sich selbst, sondern auch andere Personen unnötigen Gefahren aus.
Mit Ben bin ich noch weniger zurechtgekommen. Er scheint ein Spielball der Geschehnisse zu sein. Weder reflektiert er noch setzt er sich kritisch mit dem Erlebten auseinander. Seine Motivation sich Darkanum anzuschließen war für mich zudem weder überzeugend noch nachvollziehbar. Seine Freude über das Wiedersehen mit seiner Zwillingsschwester hält sich stark in Grenzen, was für mich nicht verständlich war. Durchgehend empfand ich Ben als einen fehlgeleiteten, unsympathischen Charakter. Insgesamt hätte ich mir bei beiden Hauptfiguren mehr Innenperspektive gewünscht, wodurch der Roman an einigen Stellen realistischer und nachvollziehbarer für mich wäre. So handeln Merit und insbesondere Ben oftmals ziemlich dumm, und scheinen sich keineswegs Gedanken über die Konsequenzen ihres Handelns zu machen.

Dennoch konnte mich der Roman aufgrund der spannenden und schnellen Entwicklung der Geschehnisse gut unterhalten. Das Ende schließt zudem rund ab und ist durchaus passend an die Geschichte angelegt. Jedoch kann man leider zum Schluss kein spannendes Überraschungsfeuerwerk erwarten.

Fazit
Trotz der grandiosen Idee des Zeitspringens und der im Grunde spannenden Handlung konnten mich die Figuren nicht durchweg überzeugen. Doch kann ich diesen Roman für junge Leser dennoch empfehlen, die neugierig auf Merits und Bens Geschichte geworden sind.


3 von 5 Sterne


   Quelle: Fabulus Verlag

Donnerstag, 12. September 2019

Magier des dunkeln Pfades - Peter Hohmann


Worum geht es?
Der Magier Lorgyn de Daskula hat nur einen Wunsch: er will seine todkranke Frau Aluna retten. Daher reist er mit ihr nach Wintertal zu den heilenden Quellen mit der Hoffnung ihr durch die heilende Wirkung der Quellen Linderung zu verschaffen. Doch sein Ziel ist weitaus größer. Mit allen Mitteln will er Aluna vor dem sicheren Tod retten – und selbst vor der verbotenen Magie, die seit Jahrhunderten niemand mehr praktiziert hat, schreckt er nicht zurück. Obwohl er einer der begabtesten Magier der Akademie ist, sind diese dunklen Zauber selbst für ihn gefährlich und erfordern viel Übung und Können. In dem kleinen Ort Wintertal, weit fernab seiner Heimat, glaubt er ungestört an dem magischen Weg zur Rettung seiner Frau arbeiten zu können. Doch dieser Ort ist weniger unscheinbar als er zunächst glaubt, denn auch die Bewohner Wintertals verbergen ein dunkles Geheimnis. Nachdem er den Historiker Arlo kennenlernt, verstricken sich zudem die Ereignisse, denn Arlo verfolgt die Spur seines verstorbenen Meisters. Zusammen stoßen sie hierbei auf Informationen, die die Iros-Kirche zu vertuschen versucht. Dabei wird es sowohl für den Magier Lorgyn, als auch für den Historiker Arlo gefährlich. Es beginnt für Lorgyn eine Gradwanderung auf dem Pfad der Dunkelheit, die von ihm alles abverlangt.


Und das ist meine Meinung zum Buch....
Der Einstieg in den Roman fiel mir sehr leicht, insbesondere aufgrund des sehr flüssigen und versierten Erzählstils. Dieser zeichnet sich nicht nur durch ein geschultes Auge für Details und einen umfangreichen Wortschatz aus, ebenso profitiert der Roman von raffinierten Formulierungen und bildhaften Beschreibungen. Durch unterschiedliche Erzählperspektiven werden Einblicke in einzelne Figuren gewährt und offenbaren das eine oder andere Geheimnis. Dadurch habe ich die Handlung als besonders fassettenreich und spannend empfunden. Angenehm war der Wechsel zwischen ruhigen und beschreibenden Passagen und spannungsgeladenen Stellen. Obwohl einige Szenen sich eher langsam entfaltet haben und dadurch etwas langatmig geworden sind, fand ich die ruhige Entwicklung der Geschichte als nicht störend. Zudem konnte mich der Roman in eine verschneite und düstere Szenerie versetzen und somit eine zur Handlung passende Atmosphäre erzeugen. Dazu passt außerdem das Cover des Buches, denn es spiegelt die Stimmung des Romans hervorragend wieder.
Das Hauptthema des Romans ist Lorgyns innere Zerrissenheit, daher beschäftigt sich ein Großteil des Romans mit seinen Gedanken und Gefühlen. Der innerer Zwiespalt, den Lorgyn immer wieder empfindet, wird sehr überzeugend und nachvollziehbar dargestellt.
Lorgyn ist meiner Meinung nach eine äußerst interessante Figur. Obwohl seine Beweggründe durchaus nachvollziehbar sind, ist er nicht durchweg sympathisch, sondern handelt des öfteren egoistisch, berechnend und manchmal erschreckend brutal. Diese Entwicklung der Figur auf dem 'dunklen Pfad' offenbart seine charakterlichen Schwächen und inneren Konflikte und macht ihn dadurch zu einer spannenden Hauptfigur des Romans, die nicht eindeutig den Kategorien „gut“ oder „böse“ zuzuordnen ist.
Seine Frau Aluna dagegen erscheint weniger tiefschichtig. Besonders im Vergleich zur anderen Figuren wirkt Alunas Darstellung ziemlich blaß, sodass ich zu ihr keine engere Verbindung aufbauen konnte. Die Darstellungen der Figuren Arlo und Laris konnten mich dagegen durchaus überzeugen.
Etwas enttäuschend fiel für mich leider das Ende aus. Zwar ist die Spannung bis zum Schluss konstant geblieben, jedoch hätte ich mir noch etwas mehr Dramatik gerade zum Finale gewünscht. Lorgyns Entwicklung hätte für meinen Geschmack noch deutlich drastischer werden und nah am Wahnsinn verlaufen könnten. Da zudem einige Erzählstränge ins Leere verlaufen, endet für mich der Roman etwas abrupt. So bleiben zumindest für mich nachher einige Fragen offen, die jedoch durchaus in einer möglichen weiteren Fortsetzung aufgegriffen werden könnten.

Insgesamt ein spannender, atmosphärischer und sprachlich versierter Roman, der die menschlichen Abgründe auslotet. Eine absolute Leseempfehlung von mir, und das nicht nur für Fantasyfans!



4,5 von 5 Sterne

     Quelle: Amazon







Samstag, 17. August 2019

Höllenhund - Lew Marschall



Worum geht es?
Hans, der junge Held dieses Romans hat ein kleines Problem. Er soll für seinen draufgängerischen Nachbarn Ricko Matzke den Rottweiler seines Erzfeindes Erhardt vergiften. Doch Hans denkt gar nicht daran den Hund zu töten. Als der verunsicherte Hans daraufhin sich plötzlich beim Abendessen mit seinen Eltern, Ricko und Erhardt gemeinsam an einem Tisch wiederfindet, läuft für ihn die ganze Situation völlig aus dem Ruder. Wegen diesen Vorfällen liegen Hans‘ Nerven ziemlich blank, da bekommt er einen Tipp: er soll es mal mit Meditation und mit Zeichnen versuchen. Um sich auf andere Gedanken zu bringen, fängt Hans an einen Comic zu zeichnen.
Die Hauptfigur seines Comics ist Hansgar. Als Bettler der Stadt Ingelspfort lebt er ein einsames, kaltes und hungriges Leben. Als er eines Tages auf den Ritter Ronald trifft, wird für ihn alles auf den Kopf gestellt. Hansgar soll nämlich ein Kriegerpriester werden und in die Fußstapfen des Heiligen Heinrich treten. Das würde natürlich auch die Chancen bei der schönen Penelop erhöhen...
Jedoch ahnt niemand, dass Hans‘ zeichnerische Begabung ihm unvorstellbare Möglichkeiten offenbart und es bald gar nicht so klar ist, was nun Realität und Fiktion ist.

Und das halte ich von Buch….
Wer bei diesem Buch hofft einen typischen Fantasyroman in den Händen zu halten, wird etwas verwundert sein. Denn dieses Buch ist alles andere als ‚typisch‘. Dieser Roman schafft es immer wieder Erzählebenen, Handlungen und Realitäten zu durchbrechen, damit zu spielen und den Leser stets aufs Neue zu überraschen.
Bereits am Cover lässt sich der zweigliedrige Aufbau des Buches – den Handlungsstrang von Hans und Hansgar – erkennen. Meiner Meinung nach passt dieser Stilmix des Covers perfekt zum Inhalt und visualisiert die beiden Erzählstränge bzw. Realitäten hervorragend. Auch am Schriftbild lassen sich beide Handlungen klar voneinander abtrennen, denn Hansgars Story wird in kursiver Schrift wiedergegeben. Dieses ist eine schöne Idee und definitiv leserfreundlich umgesetzt.
Beide Erzählstränge sind sehr spannend und haben für sich jeweils ihre eigenen Besonderheiten. Dennoch habe ich am Anfang etwas Schwierigkeiten gehabt den Einstieg zu finden. Insbesondere werden grade zu Beginn des Romans viele Fragen aufgeworfen, die erst im Fortgang der Geschichte teilweise aufgeklärt werden. Außerdem lassen sich im Roman einige Stellen finden, an denen die Geschehnisse sich derart schnell überschlagen, dass mir nicht ganz klar war, was da genau passierte und insbesondere warum. So erging es mir beispielsweise in Hansgars letzter Kampfszene, die für mich leider nicht in allen Zügen völlig nachvollziehbar war. Ähnliches gilt auch für einige Szenen, in denen so viele überraschende und neue Informationen zusammenkommen, sodass selbst der Held damit nicht zurechtkommt und ziemlich verwirrt ist.
Was mir dagegen sehr gut gefallen hat war die parallele Darstellung der beiden Helden und ihre jeweilige Entwicklung. Immer wieder konnte man Verbindungspunkte zwischen den beiden Helden und ihren Erlebnissen erkennen. Gleichzeitig durchlaufen sie jedoch ihre eigene Entwicklung und werden beide auf ihre eigene Weise mutiger, reifer und wachsen über sich hinaus. Die Darstellung und Beschreibung der Helden sind dabei durchaus nachvollziehbar. Zumal wird ihr Charakter und ihre individuellen Persönlichkeiten sehr lebendig beschrieben. Beachtenswert finde ich zudem, dass der Sprachduktus an die jeweilige Figur angepasst worden ist.
Darüber hinaus schafft es der Roman den Leser in eine atmosphärische Szenerie eintauchen und ihn hautnah die Geschehnisse miterleben zu lassen. Dabei lässt sich ein besonders scharfes Augenmerk für Details erkennen. Die kreativen sprachlichen Wendungen, außergewöhnlichen Metaphern und Vergleiche haben mir das Lesen dieses Buches zudem versüßt und mir das eine oder andere Schmunzeln entlockt. Etwas Schwierigkeiten hatte ich jedoch mit dem Erzähler. Die Geschichte von Hans wird vom Ich-Erzähler Franziskus Jutebold retrospektiv berichtet. Dabei erzählt er detailgenau von Hans Gedanken und Gefühlen und scheint Informationen zu haben, die eigentlich nur ein auktorialer Erzähler haben dürfte. Zudem haben mich seine Off-Kommentare, die an Elisa gerichtet sind, viel mehr als nur irritiert.
Mein Highlight dieses Buch war jedoch das Spiel mit der Realität und der Fiktion. Beharrlich steht in diesem Roman stets die Frage im Mittelpunkt, ob Hans mit seiner Imagination Realitäten erschafft oder lediglich ein Beobachter ist, der mit seinem Comic die Geschehnisse dokumentiert. Insbesondere hat das Ende mich völlig überzeugt. Es war emotional und unerwartet, schaffte es aber hervorragend dem Buch ein würdiges Ende zu verleihen. Jedoch blieben für mich einige Fragen und Erzählstränge offen, die leider nicht mehr ganz aufgeklärt bzw. zu Ende geführt worden sind.

Fazit: Ein untypischer Fantasyroman der besonderen Art, der auf sprachlich gewandte Art es schafft, Realitäten, aber auch Gedankenmuster, zu durchbrechen und der Geschichte eine tiefere Bedeutung und Massage zu verleihen. 


4 von 5 Sternen


Quelle Amazon
      Quelle: Amazon